„Alles muss weg“: Süßkartoffeltaler mit Spitzkohl, Gorgonzola-Lauchgemüse, Radieschensalat

Na, auch wieder bis Zapfenstreich in der Sportelbude abgehangen und nix eingekauft? Kenn‘ ich – same here an diesem Samstagabend!
Das gibt mal wieder „verbliebener Kühlschrank-Inhalt, frei kombiniert!“ – was ja bekanntlich nicht selten die leckersten Esschen ergibt.
Was war noch da?
Süßkartoffeln, Spitzkohl, je ein Stänglein Frühlingszwiebel und Lauch, ein Bund Radieschen, halbe Packung Gorgonzola, Ingwerknolle (letztere fand am Ende doch keine Verwendung) . Plus 1/2 Becher Sahne und kleiner Rest Bulgur. Hm. Geht da was? Da geht was!

Süßkartoffeln und mich, ich muß da etwas ausholen, verbindet eine Art Hassliebe. Sie schmecken mir eigentlich zu süß (Scharfsinnige schließen darauf schon aus dem Namen!) und zu mehlig. Da „süß“ und „mehlig“ das typische Geschmackserlebnis dieses auch „Batate“ genannten Windengewächses treffend charakterisiert, sollte es bevorzugt von Personen käuflich erworben werden, die selbiges schätzen.
Diesen Umstand merke ich mir jeweils recht genau ein Jahr lang nach dem letzten Verzehr.
Dann kommt der Tag, an dem Uranus und Pluto im Quadrat stehen.
Beim Durchstreifen der Gemüseabteilung bleibt mein Blick an dem sonst zuverlässig ignorierten Wurzelgemüse haften, und vor meinem inneren Auge erscheinen leuchtstarke Bilder dieses wirklich faszinierenden, knallig-lachsfarbenen Orangetones einer aufgeschnittenen Knolle.
Und dann ist es wieder passiert.
Zwei bis drei Exemplare landen in meinem Einkaufswagen.
So auch vergangene Woche.
Apropos aufgeschnitten.
Süßkartoffeln sind ihrem Wesen nach nicht nur süß und mehlig, sondern vor allem auch steinhart. Sie können eigentlich nur mit dem Hackebeil verarbeitet werden, was auch die Nachbarn zuweilen irritieren kann. Schon beim Schälen wünscht man sich die gute, fügsame deutsche Kartoffel herbei – welche überdies von Reiben bis Stifteln zu allem bereit! („Feine Süßkartoffeljulienne“ wäre doch mal eine Aufgabe für den Koch-Azubi, har har har!)
Das Risiko amputierter Gliedmaßen durch Abrutschen mit dem Schälutensil soll hier nicht verschwiegen werden.
Immerhin kann man sich bei fortgeschrittener Verzweiflung mit einem gut gewachsenen Exemplar mühelos selbst erschlagen.
Ich wollt’s nur gesagt haben.
Für 2016 wäre ich ja dann jetzt erst mal wieder durch.
However, nun waren sie da und wollten zu etwas Schmackhaften verarbeitet werden! Was soll ich sagen – es gelang!

Zutaten (für 2 Personen):

1/2 Spitzkohl (pro Person 1/4)
1 große Süßkartoffelknolle
ca. 50g Bulgur (Trockengewicht)
1 Packung TK-Kräuter oder frische Kräuter, gemischt
1/2 Stange Lauch
1/2 Stange Lauchzwiebel
1 Bund Radieschen
1/2 Becher Sahne
ca. 50 – 70g Gorgonzola
ca. 100ml Gemüsebrühe

Bratfett, Pfeffer, Salz, evtl. 1 getr. Chilischote

Zubereitung:

1) Süßkartoffel(n) schälen, vierteln und in ca. 1/2 cm starke Scheiben schneiden. Kohl längs vierteln. Zum Garen habe ich zwei Dämpfeinsätze in einen großen Topf übereinander eingebracht und diesen bis zum unteren Einsatz mit Wasser befüllt. Bei den angegebenen Schnittstärken waren beide Gemüse genau zeitgleich gar! Kohlviertel warm stellen, wenn fertig.

2) Während das Gemüse im Dampf gart, Gemüsebrühe in einem kleinen Topf zum kochen bringen und den Bulgur einrühren (doppelte Füllhöhe Flüssigkeit zu Bulgur). Von der Flamme nehmen, zugedeckt quellen lassen, bis die Flüssigkeit ganz aufgenommen ist (ca. 10min), dabei gelegentlich umrühren. Der Bulgur soll noch feinkörnig-krümelig und nicht zu feucht sein.

Gewürzmischung "Wilde Hilde"3) Die geputzten Radieschen in Scheibchen schneiden und mit 1EL Sahne, die nach Geschmack als Dressing gewürzt wird, zum Salat anmachen. Ein paar feine Lauchzwiebelröllchen dazu geben. (Für dieses Dressing verwende ich am liebsten die Gewürzmischung „Wilde Hilde“ von Herbaria, erhältlich in Bioladen oder Reformhaus!)

4) Die weich gedämpften Süßkartoffeln mit der Gabel zermusen. Bulgur dazu geben und vermengen (Das Mischungsverhältnis sollte volumenmässig etwa 1:1 sein, damit die Taler die richtige Struktur bekommen). Masse nach Geschmack würzig abschmecken, gehackte Kräuter dazu geben. Beiseite stellen, damit die Masse zum Formen etwas abkühlen kann.

5) Lauch in Ringen und ggfs. den Rest der Frühlingszwiebel (in Röllchen) in der Pfanne andünsten, Gorgonzola hinein schmelzen lassen, Sahne dazu geben, bis gewünschte Konsistenz erreicht, kürz köcheln lassen. Nach Geschmack würzig mit Salz & Pfeffer abschmecken. Ich gebe 1 Chilischote dazu – sehr lecker!

6) Aus der Süßkartoffelmasse Taler / Pfannenküchlein formen, etwas flach drücken. Auf der bereits heißen Flamme des Lauchgemüses (dieses mit geschlossenem Deckel „parken“) Taler in heißem Öl kross anbraten, ein Mal wenden. Da die Masse bereits gegart ist, sollen die Taler nur noch etwas kross werden und Farbe annehmen. Tipp: Wem die Masse zu weich / feucht ist, der kann etwas Mehl dazu geben (wenig).

Taler, Spitzkohlviertel, Lauchgemüse und Radieschensalat zusammen anrichten. Das Gorgonzolagemüse dient als Sauce auch zum Spitzkohl – sehr lecker!

Tipps: Übrig gebliebene Süßkartoffelmasse kann problemlos im Kühlschrank aufbewahrt und am Folgetag verbraucht werden. Man kann daraus auch kleine Bällchen formen, diese im heißen Fett knusprig ausbacken und als Salattopping verwenden! Ebenso kann man damit ausgehöhlte Gemüse füllen und diese im Ofen backen. Fertig gebackene Taler schmecken auch kalt und sind für „takeaway“ und „Bürosnack“ bestens geeignet!

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